
1. Garderegiment zu
Fuß
Potsdam
"Das vornehmste
Regiment der zivilisierten Christenheit"

"Parade
im Lustgarten 9.2.1894" Gemälde von Carl Röchling
Das 1. Garderegiment zu Fuß ging im wesentlichen aus zwei
Vorgängerregimentern hervor: dem Regiment des Königs, bzw. Bataillon
Grenadiergarde Nr. 6 und dem Regiment Garde Nr.
15.
1677-1806
Zur Abwehr der Schweden wurde 1675 durch
Reskripte vom 11./21. Mai und 10./20. Juni ein Regiment zu Fuß für den
Kronprinzen Friedrich (1657-1713) errichtet, das Regiment Kurprinz Nr. 6.
Dieses Regiment, zunächst noch aus nur zwei Bataillonen bestehend, ist der älteste
Stamm des späteren 1. Garderegimentes zu Fuß. 1688, nach seinem
Regierungsantritt, ging das Regiment Kurprinz Nr. 6, auf den Kronprinzen,
seinen Sohn Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) über. Dieser später „Soldatenkönig“
genannte Sohn wuchs quasi mit und bei seinem Regiment auf. 1704 wurde ein
drittes Bataillon gebildet, welches jedoch 1713 zur Bildung des Regimentes Nr.
22 abgegeben werden mußte. Aus eigenen Mitteln stellt der junge
Kronprinz 1710 das Leibbataillon auf, welches er 1717 seinem Regiment als 1.
Bataillon beigab. Besser bekannt ist dieses 1. Bataillon als
„rotes“ Bataillon (wegen seiner roten Uniformierung) und vielmehr noch als
„Potsdamer Riesengarde“, volkstümlich auch die „langen Kerls“ genannt.
Das Skelett eines von ihnen kann heute noch in der Berliner Humboldt-Universität
bewundert werden. In die Regierungszeit Friedrichs I. fiel die Stiftung des
zweiten Stammregimentes des späteren 1. Garderegiments zu Fuß. Am 1. August
1688 wurden aus 8 Kompagnien des Réfugé-Regimentes Varenne Nr. 13 das Regiment
von Lottum Nr. 15 gebildet. Nachdem es 1719 einen neuen Chef bekam, hieß es
fortan Regiment Coenen. Nach 1720 hieß es dann Regiment Goltz. Am 29. Januar
1732 wurde schließlich Kronprinz Friedrich (1712-1786), der spätere König
Friedrich II. „der Große“, der Chef dieses Regimentes, welches fortan Regiment
Kronprinz Nr. 15 hieß. 1688 wurde allgemein später als das Gründungsjahr
des 1. Garderegiments zu Fuß angesehen, da dieses zum überwiegenden Teil aus
dem alten Regiment Kronprinz
(später Garde) Nr. 15 hervorgegangen ist.
Leibregiment
des Königs Nr. 6 um 1735
Friedrich II. war ein nüchterner Rechner. Er hielt nichts von teuren
Prestige-Soldaten und löste folglich die Riesengarde auf, die Mannschaften
wurden auf andere Regimenter verteilt oder aus dem Armee-Dienst entlassen. Die
Leibkompagnie wurde dabei zu gleichen Teilen auf die neuen Regimenter der
Prinzen Ferdinand Nr. 34 und Heinrich Nr. 35 aufgeteilt. Die ältesten und
schlechtesten Leute bildeten das Garnisonbataillon von Weyher in der Magdeburger
Sternschanze. Lediglich ein Bataillon wurde aufrecht erhalten und fortan als Bataillon
Grenadier-Garde Nr. 6 geführt. In dieser Formation bestand es bis 1806. Das 1. Bataillon Leibgarde des Regiments Garde Nr. 15 wurde am 4.
August 1740 in Ruppin hauptsächlich aus dem alten 1. Bataillon des Regiments
Kronprinz Nr. 15 gebildet. Aus den Mannschaften des aufgelösten Regiments des Königs
Nr. 6 und der Grenadierkompagnie des 2. Bataillons vom Regiment Kronprinz Nr. 15
wurde am 3. August 1740 in Nauen das 2. Bataillon Garde des Regiments Garde Nr. 15 gebildet. Die
5 Musketierkompagnien des Regiments Kronprinz Nr. 15 bildeten den Stamm des
Regiments Prinz Ferdinand Nr. 34. Bald darauf wurde in Potsdam das 3.
Bataillon Garde des Regiments Garde Nr. 15 aus Abgaben der Armee im
Tausch gegen überzählige Mannschaften des aufgelösten Regiments des Königs
Nr. 6 gebildet. In dieser Formation bestand das Regiment fort bis 1806. Von den
drei Bataillonen des Regiments Garde Nr. 15 hatte das 1. Bataillon
Leibgarde eine Sonderstellung. Der König kommandierte es persönlich, wie
auch die Leibkompagnie.
Das Regiment des Königs,
bzw. Bataillon Grenadiergarde Nr. 6
nahm an folgenden Schlachten Teil:
·
1677 Teilnahme am Feldzug gegen die Schweden in Pommern
·
1686 Schlacht bei Ofen
·
1689 Schlacht bei Kaiserswerth und Bonn
·
1691 Schlacht bei Leuze und Steenkerken
·
1695 Schlacht bei Namur
·
1696 Schlacht bei Gent
·
1697 Schlacht bei Oudenarde
·
1704 Belagerung von Geldern
·
13. August 1704 Schlacht bei Höchstädt
·
1706 Schlacht und Einnahme von Menin
·
1706 bis 1712 focht es in Flandern bei Tournai, Mons, Bethune,
Douai, Landrecy und Meurs
·
11. Juli 1708 Schlacht bei Oudenarde
·
11. September 1709 Schlacht bei Malplaquet
·
1709 Belagerung von Gent
·
4. Juni 1745 Schlacht bei
Hohenfriedberg, Verlust von 184 Mann
·
30. September 1745 Schlacht bei Soor
·
5. November 1757 Schlacht bei Roßbach,
Verlust von 36 Toten und 156 Verwundeten
·
5. Dezember 1757 Schlacht bei
Leuthen
·
14. Oktober 1758 Treffen bei
Hochkirch, Verlust von 335 Mann
·
15. August 1760 Schlacht bei
Liegnitz
·
3. November 1760 Schlacht bei
Torgau, Verlust von 8 Offizieren und 338 Mann
Das Regiment Garde Nr. 15
nahm an folgenden Schlachten teil:
·
1693 Schlacht bei
Neerwinden
·
1695 Schlacht bei Huy
·
1703 Schlacht und Einnahme
von Rheinberg und Geldern
·
1704 Schlacht bei Höchstädt
und Eroberung von Landau
·
1706 Schlacht und Einnahme
von Menin
·
1708 Schlacht bei Oudenarde
·
1708 Schlacht bei
Winnendael
·
1708 Schlacht bei
Malplaquet
·
1709 Belagerung von Gent,
Brügge und Ath
·
10. April 1741 Schlacht bei Mollwitz, Verlust von 16 Offizieren
und 424 Mann
·
18. Juni 1757 Schlacht bei Kolin,
Verlust von 24 Offizieren und 475 Mann
·
17. Mai 1742 Schlacht bei Chotusitz
·
1744 Belagerung von Prag
·
4. Juni 1745 Schlacht bei
Hohenfriedberg, der Regimentskommandeur Oberst von Schwerin fällt
·
30.
September 1745 Schlacht bei Soor, Verlust von 15 Offizieren und 389 Mann
·
1756 Einschließung der Sachsen bei
Pirna
·
1757 Belagerung von Prag, am
23./24. Mai Abwehr eines Ausfalls der Besatzung der Stadt
·
5. November 1757 Schlacht bei Roßbach
·
5. Dezember 1757 Schlacht bei
Leuthen, der Regimentskommandeur Oberst von Diericke fällt, Verlust von 17
Offizieren und 501 Mann
·
14. Oktober 1758 Treffen bei
Hochkirch, Verlust von 13 Offizieren und 618 Mann
·
1758-60 Verteidigung von Breslau
·
5. August 1760 Schlacht bei
Liegnitz
·
3. November 1760 Schlacht bei
Torgau
·
19. Juli
1762 Schlacht bei Burkersdorf, Verlust von 15 Offizieren und 389 Mann
·
1793-95
Rheinfeldzug gegen das revolutionäre Frankreich

Der verlustreiche Tag von Leuthen war der erste Gedenktag des späteren 1.
Garderegiments zu Fuß. Am Rheinfeldzug gegen das
revolutionäre Frankreich nahm das
Regiment Garde Nr. 15 ebenfalls teil. Mit ihm der bekannte Dichter Heinrich von
Kleist (1777-1811).
Schlacht von Leuthen, Sturm
auf das Kirchenportal durch das III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15, Gemälde
von Carl Röchling
1806-1815
Die Garde nahm an der
Schlacht von Auerstedt erst Teil, als bereits der allgemeine Rückzug befohlen
war. Sie deckte fortan den Rückzug der geschlagenen Armee und
streckte die Waffen mit dieser am 28. Oktober 1806 bei der Kapitulation
von Erfurt und Prenzlau. Hier endet der Werdegang der stolzen Garderegimenter
Nr. 6 und Nr. 15. In Gaudenz bildeten die Reste des 1. Bataillons Leibgarde (1
Offizier, 2 Unteroffiziere, 1 Tambour und 24 Mannschaften) das Garde Depot,
welches als ein Auffanglager für die sog. „Ranzionierten“ (= aus der
Kriegsgefangenschaft entlassene) diente. Dabei wurde die 1. Kompagnie (Leib-Kompagnie)
gebildet. Es wurden bis zum 24.01.1807 in Memel so viele Leute aus den alten
Garderegimentern Nr. 6, 15 und dem Regiment des Königs Nr. 18 gesammelt, daß
daraus die 2. Kompagnie gebildet werden konnte. Am 27.06.1806
schließlich konnten mit der 3. und 4. Kompagnie das komplette I.
Bataillon (Grenadiere) gebildet werden. Es wurde fortan Bataillon-Garde
genannt. Am 12.11.1808 schließlich waren endlich so viele Leute gesammelt
(vorzugsweise Ranzionierte aus dem Regiment Garde Nr. 15) oder neu ausgehoben
worden, um aus dem I. Bataillon ein komplettes II. Bataillon (Grenadiere)
mit den Kompagnien 5. – 8. und sogar einer zusätzlichen Garnison-Kompagnie
aufzustellen. An diesem Tage erhielt das Regiment seinen
eigentlichen
Namen: Regiment Garde zu Fuß. Am 17.03.1809 wurde das III. Bataillon
(Füsiliere) mit den Kompagnien 9. – 12. errichtet.
Hauptmann 1. Garderegiment zu Fuß
um 1870, Paradeuniform
Das Regiment erhielt auf dem
Tschako den goldenen Stern vom Schwarzen Adler Orden und auf dem Kragen und den
schwedischen Aufschlägen Litzen. Diese waren bei Offizieren silbern gestickt
und als Kapellenlitzen, bei Unteroffizieren und Mannschaften zunächst silber
gewebt und als altpreußische Litzen geformt. Am 30.04.1809 wurden diese gegen
weiße gewebte Kapellenlitzen ausgetauscht. Die Schulterstücke waren bei
Mannschaften einfach weiß und bei Offizieren ebenfalls, jedoch mit den
offiziertypischen Tressen. Das Lederzeug war weiß. So sollten die Abzeichen
dieses Regiments bis zur Auflösung bleiben.
Am
19.6.1813 war aus dem „Normal-Bataillon“ ein neues Garderegiment zu Fuß
gebildet worden. Das Garderegiment zu Fuß hieß folglich ab diesem Tage nur
noch 1. Garderegiment zu Fuß, das neu gebildete Regiment war demnach das
2. Garderegiment zu Fuß.
Während
der Befreiungskriege nahm das 1. Garderegiment zu Fuß an folgenden
Schlachten teil:
·
02. Mai 1813 Schlacht von Groß-Görschen
·
20. Mai 1813 Schlacht von Bautzen
·
30. März 1814 Einnahme von Paris

Der Tag von Groß-Görschen bildet nach dem Tag von Leuthen
den zweiten Gedenktag des 1. Garderegiments zu Fuß. An den
Verlustziffern von 35 Offizieren und 874 Mann erkennt man, daß diese Schlacht für
die jungen und unerfahrenen Grenadiere bzw. Füsiliere eine wahre Feuertaufe
war.
"Das
Füsilier-Bataillon bei Groß-Görschen-Kaja. 2.5.1813" Gemälde von Carl Röchling
1815-1858
1824 wurden dem Regiment zur
Parade Grenadiermützen mit goldenem Schild und aufgeprägtem (bei Offizieren
silbernem aufgelegtem) Stern vom Schwarzen Adler Orden und Krone verliehen. Zunächst
bekamen diese entfernt an die Grenadiermützen aus friderizianischer Zeit
erinnernden Mützen nur das I./II. Bataillon (Grenadiere). 1843 bekam
dann auch das III. Bataillon (Füsiliere) solche Parademützen, diese
waren jedoch etwas niedriger als die der Grenadiere und trugen seitlich den
heraldischen Adler (bei den Grenadieren Granaten).
1842 wurde der bald volkstümlich „Pickelhaube“ genannte Helm eingeführt. Er
hatte hier - im Gegensatz zu den meisten anderen Regimentern - silberne
Beschläge. Vorne trug das Regiment den silberfarbenen Gardeadler. Aufgelegt
darauf war der silberne Gardestern, der bei Offizieren einen emaillierten Kern
besaß und leicht hervorgewölbt war. Lediglich die Schuppenkett en
und Sternschrauben am Kreuzblattbeschlag der Offiziere waren vergoldet. Als
Besonderheit trugen die
Offiziere dieses Regimentes sechskantig ausgekehlte Helmspitzen und
Haarbuschtrichter, welche sonst nur der Generalität vorbehalten war. Der
Haarbusch war aus weißem Roßhaar gefertigt. Ab 1896 wurde der Haarbusch für
Offiziere aus weißem Büffelhaar gefertigt, für Mannschaften blieb er jedoch nach
wie vor aus Roßhaar.
Grenadier des 1. Garderegiments zu Fuß in
Paradeuniform 1847, Zeichnung von Fritz Kersten
Nun
folgten lange Jahre des Friedens, welche nur unterbrochen wurden von den
Ereignissen des Jahres 1848. Am 18.03. dieses Jahres kam es in Berlin zu
Barrikadenkämpfen, die durch einen sich versehentlich gelösten Schuß eines
Soldaten auf dem Schloßplatz ausgelöst
wurden. Im Verlauf des Tages schlugen die Truppen den Aufstand jedoch blutig
nieder in dem sie Straße auf Sraße unter großen Verlusten bei der Bevölkerung
„säuberte“. Der König lenkte (zumindest vorerst) ein und ehrte einen Tag
später die Gefallenen. Damit waren allerdings die Unruhen noch nicht beendet,
denn am 12. September 1848 meuterten Grenadiere und Füsiliere des 1.
Garderegiments zu Fuß, verfaßten eine Grußadresse an die
Nationalversammlung und entrollten auf der "Mopke" (Exerzierplatz
zwischen Neuem Palais im Park von Sanssouci und den Communs) das
schwarz-rot-goldene Banner. Nur mit Mühe und unter Waffeneinsatz gelang es den
Gardes du Corps die Unruhen zu unterdrücken. Es war dies die erste
Soldatenrevolte in einer deutschen Armee.
1859-1871
Das 1. Garderegiment zu Fuß mußte bei der Heeresvermehrung laut der
Kabinettso rdre
vom 23.02./05.05.1860 Mannschaften und Offiziere zur Bildung des neuen 3.
Garderegiments zu Fuß abgeben,
mit welchem es fortan im Brigadeverband stand und das es als sein
„Schwesterregiment“ bezeichnete. Am Krieg gegen Dänemark nahm das Regiment nicht
teil.
Sturm auf die Höhen von Chlum
1866, Gemälde von
Richard Knötel
Sturm auf die Batterie der Toten 1866 in Chlum, Gemälde von
Carl Röchling
Während
der Einigungskriege nahm das 1. Garderegiment zu Fuß an folgenden
Schlachten teil:
- 03.
Juli 1866 Schlacht von Königgrätz, Verlust von 5 Offizieren und 133
Mannschaften
- 18.
August 1870 Schlacht von Gravelotte/St. Privat, Verlust von 17 Offizieren
(darunter der Regimentsschef Oberst von Röder) und 357 Mannschaften
- September
1870 Schlacht von Sedan, Verlust von 1 Mann
- 29.
Oktober 1870 Schlacht bei Pierrefitte und Villetaneufe
- 21.
Dezember 1870 Schlacht bei Le Bourget (I. Bataillon (Grenadiere))
und Schlacht bei Stains und Spinai (II. Bataillon
(Grenadiere) und III. Bataillon (Füsiliere)), Verlust von 7 Mannschaften
Hauptmann im 1.
Garderegiment zu Fuß um 1866 (Dienstuniform, Winter)
1871-1914
Anstelle der bisherigen „1“ trugen die Mannschaften der Leibkompagnie des 1. Garderegimentes zu Fuß
ein gotisches „L“ auf den Achselstückknöpfen. Eine Order mit genauer
Zeitangabe hierfür ist nicht mehr erhalten. Diese Auszeichnung muß jedoch
zwischen 1868 und 71 b efohlen
worden sein.
Sergeant
im 1. Garderegiment zu Fuß feldmarschmäßig um 1866
Am 22.03.1875 erhielten die
Feldachselstücke des 1. Garderegiments zu Fuß und der Gardes du Corps
Zwischen Auflage (Soutache) und weißer Unterlage eine silberne Tresse. Am 12.
11.1888 wurden Schuppenketten und Offizierssterne am Helm silbern.
1890 bekamen der Regimentsstab und das I. Bataillon
(Grenadiere) ein silbernes Bandeau mit der Aufschrift „Semper Talis“ (lat.
= stets gleich) verliehen, welches auf dem Helm über dem Adler und auf der
Grenadiermütze über dem Gardestern montiert wurde. Auf der Grenadiermütze fü hrte
auch I. Bataillon (Grenadiere) das dieses Bandeau, jedoch seltsamerweise
nicht auf dem Helm. 1894 dann wurden neue Grenadiermützen nach dem Vorbild der
Mützen des alten Regiments Garde Nr. 15 eingeführt. Sie trugen vorn ein
silbernes, verziertes Blechschild, mit kleinem Adler und bei den
Grenadierbataillonen den Schriftzug „Semper Talis“, bei den Füsilieren,
deren Mütze wieder etwas kleiner war und einen gelben Beutel trug (bei den
Grenadieren rot), lautete der Schriftzug „Pro Gloria et Patria“ (lat. = Für
Ehre und Vaterland). Die alten Mützen gingen an das
Kaiser-Alexander-Gardegrenadierregiment Nr. 1.
Hauptmann im 1.
Garderegiment zu Fuß um 1900 (Dienstuniform,
Sommer)
Mit A.K.O. vom 09.02.1894
wurde ausschließlich für Offiziere des 1. Garderegiments zu Fuß eine
Schießauszeichnung eingeführt. Diese Auszeichnung bestand aus einem silbernem,
flach geflochtenem Achselband und besaß unten eine Silbereichel. Sie war
entgegen den anderen Schützenschnüren, die für Mannschaften geschaffen
wurden, nur für Offiziere des Regimentes gedacht. Sie
wurde am rechten
Schulter- und zweiten Waffenrockknopf befestigt und war bei Versetzung weiter zu
tragen.
Die
verschiedenen Anzugsarten beim 1. Garderegiment zu Fuß um 1900
1902 wurden bei allen
Regimentern, deren Chef der Kaiser war, also auch beim 1. Garderegiment zu Fuß,
ein spezieller Griff bei Paraden vor dem allerhöchsten Monarchen eingeführt,
das „Anziehen“ des Gewehrs. Dieser Griff wurde in Anlehnung alter
Exerziergriffe des Heers Friedrichs des Großen, dessen größter Bewunderer
wohl Wilhelm zwo war, angewendet. Ein weiteres Privileg dieser Art war das
Abspielen der Königs-, bzw. später Nationalhymne beim Frontabschreiten durch
den Monarchen, erstmals erwähnt 1861, 1890 dann ausdrücklich beschränkt auf
große Kaisermanöver.
Durch A.K.O. vom 14.02.1907
wurde die neue feldgraue Bekleidung eingeführt. Diese unterschied sich beim 1.
Garderegiment zu Fuß von der Linie in einigen Punkten. Zum einen dadurch,
daß die weißen Litzen am Kragen und Ärmelaufschlag weiter geführt wurden.
Sie hatten die Maße der bisherigen, lediglich der Zwischenraum der beiden
Kragen-Litzen war nicht mehr rot sondern von Grundtuch, also feldgrau.
Unteroffiziere wie bisher nur eine Litze am Kragen. Offiziere hatten mattsilberne
gewebte Litzen auf den Ärmeln und auf kleinen
weißen Kragenpatten. Der Helmbezug trug bei der Garde keine Regimentsnummer.

In den langen Jahren des Friedens nach 1871, wurden
Mannschaften für die China- (1900) und Deutsch-Südwest-Feldzüge (1904)
abgegeben. Dies waren die einzigen nennenswerten Aktivitäten außerhalb des
normalen Dienstes und Exerzierdienstes.
Der Kronprinz auf dem
rechten Flügel der Leibkompagnie 1. Garderegiment zu Fuß
1914-1918
In den ersten Weltkrieg zog das Regiment mit seinem
Kommandeur, dem Prinzen Eitel Friedrich von Preußen. Am 09.08. wurde noch ein
letztes mal auf dem Lustgarten paradiert, anschließend folgte ein
Feldgottesdienst. Dies alles geschah in Anwesenheit der gesamten kaiserlichen
Familie. Die Kaiserin schenkte jedem Offizier des Regimentes zum Abschied eine
Rose. So rückte denn das Regiment abends zur Verladung auf den Bahnhof ab.
Danach nahm das 1. Garderegiment zu Fuß
an folgenden Schlachten teil:
- bis
25.08.1914 Vormarsch durch Belgien und Nordfrankreich, (St. Gerard, Ermeton,
St. Quentin), Verlust von 70 Mann und 8 Offizieren an Verwundeten und 37
Mann und 1 Offizier an Toten
- 29.08.1914
Schlacht von Colonfay, 820 Mann und 16
Offiziere verwundet, 350 Mann und 10 Offiziere tot
- bis
10.09.1914 Marneschlacht
- bis
14.11.1914 Schlacht bei Ypern, Verlust von 800 Mannschaften und je 8
gefallenen und verwundeten Offizieren
- bis
11.03.1915 Douai, Abwehrkämpfe, Verluste von 12 Offizieren, 682
Mannschaften
Wohl um ihn zu schützen
wurde Prinz Eitel Friedrich am 14.11.1914 zum Führer der 1.
Garde-Infanterie-Brigade ernannt, er ließ sich von seinem Vater, Wilhelm II.
jedoch versichern, daß er das Regiment nach dem Kriege wieder übernehmen dürfe.
Seinen Posten als Regimentschef, bzw. -führer übernahm Major von Bismarck. Die
Kaiserin schenkte zu Weihnachten jedem Angehörigen des Regiments eine gefüllte
lederne Zigarrentasche mit Namenszug. Als das Regiment am heiligen Abend im Dom
zu St. Pierre die Messe beginnen wollte kamen plötzlich Wagen vorgefahren und
der Kaiser höchstpersönlich entstieg
einer
dieser Karossen. Er blieb den ganzen Abend bei „seiner“ Truppe. Vom 06. bis
07.01.1915 besuchte er es erneut und nahm am 07. eine große Parade
des Regimentes ab. Das Regiment wird in Douai wieder komplett aufgefüllt,
teils mit Rekruten, teils mit Kavalleristen, Landwehrmännern und Reservisten.
Auch folgten größere Abgaben an andere Regimenter, sodaß von den rund 3.500
Soldaten des Ausmarsches 1914 Anfang 1915 nur noch 7 Offiziere, 127
Unteroffiziere und 355 Mann übrig waren. Alle anderen waren neu hinzu gekommen.
Verleihung von Eisernen Kreuzen durch
Wilhelm II. auf dem Marktplatz von Vouziers am 23.03.1915
03.03.1915 wurden die auffälligen
Litzen am Kragen per A.K.O. auf 7cm verkürtzt, was dem Maß für die
Mantelpattenlitzen entsprach, die alten 14cm langen Litzen wurden zurückgelegt
für den späteren Frieden. Mit der gleichen A.K.O. wurde der „vereinfachte
Feldrock M1915“ eingeführt, der nun Rollaufschläge ohne Vorstoß und ohne
Litzen hatte. Unteroffiziere behielten die einzelne Litze am Kragen.
Das Jahr 1915 ging für das Regiment wie folgt weiter:
- bis
02.05.1914 Galizien, Durchbruch bei Gorlice, 21 Tote und 80 Verwundete
- bis
31.08.1915 Vormarsch bis zum Bug
Insgesamt verlor das
Regiment an der Ostfront 45 Offiziere und 2500 Unteroffiziere und Mannschaften
tot oder verwundet. Von denjenigen, die die Kämpfe bei Colonfay 1914 mitgemacht
hatten, waren nur nur noch 1/10 im Regiment übrig. Hätte der Krieg ein anderes
Ende genommen, wäre der Tag von Gorlice sicher ins Ehrenbuch des Regimentes
aufgenommen worden.

Hauptmann im 1.
Garderegiment zu Fuß, Felduniform 1914
Gemäß A.K.O. vom
21.09.1915 wurde die „Bluse M1915“ eingeführt, welche überhaupt keine
Vorstöße mehr besaß, lediglich an den neuen, schmaleren Schulterklappen
wurden noch farbige Vorstöße angebracht. Mit der A.K.O. wurden allgemein neue
Waffenfarben eingeführt, die Infanterie erhielt dabei weiß als Farbe, für das 1. Garderegiment zu Fuß änderte sich also farblich nichts an den
Schulterklappen. Nur noch die Kragen-Litzen (an den Rollaufschlägen fielen die
Litzen fort) unterschieden die Garde also von der Linie. Diese Litzen wurden mit
der gleichen A.K.O. grau, nur der Spiegel war noch farbig. Er zeigte die Farbe
der alten Litze, also hier wieder weiß, der Mittelteil war von der alten
Kragenfarbe, also hier rot. Die Länge blieb bei 7cm. Die Offiziere
bekamen zur Bluse gestickte mattgraue Litzen mit einer mattsilbernen Kordel
anstelle des Spiegels. Die Patten hatten die Maße der bisherigen, waren jedoch
vom Kragentuch der Bluse, also resedagrün. Diese neuen Proben sollten auch auf
die vorhandenen Feldröcke älterer Machart gesetzt werden, das geschah aber
praktisch nicht. Stattdessen wurden die alten Feldröcke unverändert
aufgetragen, bis sie verschlissen waren. Nach dieser A.K.O. vom 21.09.1915 wurde
auch ein neuer Waffenrock M1915, der sog. „Friedensrock“ eingeführt. Er
entsprach weitestgehends der alten blauen Uniform, nur war er feldgrau und hatte
die Taschen des Feldrockes M1907/10. Beim 1. Garderegiment zu Fuß waren
demnach wieder die alten Vorkriegs-Litzen am Kragen und auch den Ärmelaufschlägen.
Getragen wurde dieser Rock praktisch nicht mehr.
Der weitere Kriegsverlauf führte das Regiment zu
folgenden Schauplätzen:
- bis
05.10.1915 Givenchy, Champagneschlacht, 12 Offiziere und 1500 Mannschaften
und Unteroffiziere tot, verwundet oder vermißt - etwa die halbe Gefechtsstärke
- bis
01.09.1916 Sommeschlacht, Verlust von 18 Offizieren, davon 5 sicher gefallen
(die Vermißten mußten größtenteils als gefallen angesehen werden), 1200
Unteroffiziere und Mannschaften, davon 305 gefallen
- bis
08.02.1917 Fresniéres, Maisonette
Der
Regimentsführer Oberstlt. von Bismarck fiel am 05.11.1916 einem Scharfschützen
zum Opfer. Mit Wirkung vom 06.11.1916 wurde Major Graf zu
Eulenburg zum
Regimentsführer ernannt. Auch er wurde nicht Regimentschef, da dieser Titel
weiterhin Prinz Eitel Friedrich vorbehalten wurde, der nach dem Kriege wieder seinen angestammten Posten als Regimentschef einzunehmen wünschte.
Hauptmann 1. Garderegiment zu Fuß,
Felduniform 1914
Im Laufe des Frühjahres
1916 gelangte der neue Stahlhelm zur Truppe, der die Pickelhaube ersetzte. Der
neue Stahlhelm war nun für alle Waffengattungen und Regimenter gleich. Das
Gardecorps hatte jedoch vermutlich auf der linken Seite ein schwarz-weißes
Schachbrettwappen, das Wappen der Hohenzollern. Offizielle Unterlagen finden
sich hierzu nicht mehr, jedoch sind einige Originalstücke mit dem Wappen
erhalten und auch auf der Regimentsgeschichte ist ein solcher
Helm abgebildet. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß das Wappen -
zumindest von den Offizieren - getragen wurde.
Das Regiment nahm an folgenden weiteren Schlachten
teil:
- bis
01.07.1917 Frühjahrsschlacht, St. Quentin, Chemin des Dames, Hurtebise
Ferme, Argonnen, Verlust von 7 Offizieren, 38 Unteroffizieren und 279
Mannschaften
Am 06.06.1917 nahm das
Regiment an einer Parade bei Apremont vor dem Kaiser teil.
- bis
19.08.1917 Tarnopol, Verlust von 145 Verwundeten und 30 Toten
- bis
13.10.1917 Riga, Verlust von 36 Verwundeten und 13 Toten
Nach einer kurzen Ruhephase
ging es wieder an die Westfront. Dort wurde es in der neuen Stoßtrupptaktik
ausgebildet und auf die kommende deutsche Entscheidungsoffensive vorbereitet. Während
dieser Kämpfe im Jahr 1918 dezimierte nicht nur der Feind die gegnerischen
Reihen, auch die neu aufgetretene Grippe (Influenza) raffte die Männer dahin,
begünstigt durch Schlamm, Nässe und Erschöpfung.
Die Endphase des Krieges erlebte das Regiment an folgenden
Orten:
- bis
21.03.1918 Reims, Liart
- bis
12.04.1918 Kaiserschlacht, Grivesnes, Verlust von 850 Unteroffizieren und
Mannschaften an Verwundeten und 3 Offizieren, 1455 Unteroffiziere und
Mannschaften an Gefallenen
- bis
08.07.1918 Chemin des Dames, Révillon, Verlust von 11 Offizieren (davon 2
gefallen) und 650 Unteroffizieren und Mannschaften
- bis
20.07.1918 Dormans, Marneschlacht, Verlust von 500 Gefallenen und
Verwundeten, davon 5 Offiziere gefallen
- bis
30.09.1918 Rückzugskämpfe an der Vesle, Crécy-au-Mont, Argonnen
Das Regiment war inzwischen
auf rund 315 Mann zusammengeschmolzen. Ersatz kam kaum noch nach, so wurde aus
den zerschlagenen Resten ein Bataillon („Bataillon Eulenburg“) gebildet und
erneut an die Front geworfen. Dort standen ihm seit dem 22.09.1918 auch frische
amerikanische Truppen gegenüber. Dazu Artillerie, Tanks, Gas, Flugzeuge und das
alles im Übermaß. Rittmeister Graf Eulenburg-Gallingen (Bataillonsführer)
brachte die Lage in einem Funkspruch auf den Punkt: „Die Lage ist, das sollt ihr wissen, vergast, betrommelt und
beschissen.“
Am 30.10.1918 traf noch einmal Ersatz ein, das Regiment
wurde wieder aufgestellt, das II. Bataillon (Grenadiere) wurde jedoch
nicht wieder aufgestellt, sondern endgültig aufgelöst und die verbliebenen
Mannschaften auf die Kompagnien verteilt.
Das Ende des Krieges erlebte das Regiment während folgender
Kämpfe:
- bis
11.11.1918 Rückzugskämpfe bei Grand Pré, Vouziers, an der Maas
Am 10.11.1918 führte das
stolze 1. Garderegiment zu Fuß seinen letzten Angriff durch, indem es
eine durch ein anderes Regiment verlorene Stellung bei
Vrigne-Meuse zurückeroberte.
Abends dann kam die Nachricht, daß Waffenstillstand herrsche. Im 1.
Garderegiment zu Fuß fielen im Weltkrieg 97 Offiziere, 480 Unteroffiziere
und 4025 Grenadiere/Füsiliere.
Gefechtsstand bei Grivesnes im März 1918
Das Regiment kehrte am 11.
Dezember 1918 nach Potsdam zurück, Zuschauer säumten den Weg und warfen
Blumen. Es wurden Soldatenräte eingesetzt, Major von Eulenburg legte daraufhin
die Regimentsführung nieder. Nach einer letzten Versammlung in der
Garnisonskirche wurden die meisten Regimentsangehörigen entlassen. Ein Teil schloß sich den Freikorps an und zog in´s Baltikum. Ein anderes Freikorps
(Freikorps bzw. Regiment „Potsdam“) nahm an den Barrikadenkämpfen in Berlin
teil.
Wer in der Armee bleiben wollte wurde nach Aufstellung der Reichswehr in das
9. (Preußische) Infanterieregiment 9 überwiesen, dessen 1. Kompagnie die Tradition des alten 1.
Garderegiments zu Fuß übernahm. In der Wehrmacht wurde daraus das
Infanterie-/Grenadierregiment
9 und später das Panzergrenadierregiment 9.
Nach dem 2. Weltkriege erlebten die Truppenfahnen des 1. Garderegiments
zu Fuß eine besondere Odyssee. Die Fahnen wurden, zusammen mit den Särgen
Friedrich-Wilhelm I. und Friedrichs II. mit den übrigen Feldzeichen aus der Königsgruft
in Potsdam, beim Abzug der Amerikaner aus Thüringen nach Marburg verbracht.
1946 wurden schließlich alle Garde-Truppenfahnen nach Wiesbaden in das Neue
Museum verbracht. Dort blieben sie die nächsten Jahre über eingerollt stehen.
Während die Särge der Könige schon sehr bald dorthin gebracht wurden, folgten
jene 9 Garde-Feldzeichen, die schon in Potsdam an ihren Särgen hingen, erst
1954 in die evangelische Kapelle der Burg Hechingen, dem Stammsitz der
Hohenzollern. Dort hingen Sie als Dauerleihgabe
bis 1993. Als dann die Särge endlich, dem letzten Willen Friedrichs II.
entsprechend, nach Potsdam zurückkehrten, wurden die Feldzeichen aus der Burg
Hechingen zu den übrigen Fahnen der kaiserlichen Armee in´s Wehrgeschichtliche
Museum im Schloß Rastatt verbracht. Dort sind sie bis zum heutigen Tage
ausgestellt und die Odyssee der Truppenfahnen des 1. Garderegiments zu Fuß fand
hier ihr vorläufiges Ende.
Einen Weg der ganz besonderen Art nahmen die
Grenadiermützen des Regimentes. Diese wurde nach 1918 für 20M verkauft und
gelangten so in Privathände. Ein Teil wurde von der Kölner Prinzengarde
aufgekauft, bei welchen diese, bzw. Nachbildungen davon noch heute im
Gebrauch sind.
Alles Weitere zum
"vornehmsten Regiment der zivilisierten Christenheit" finden Sie auf der
offiziellen weltweiten Netzpräsenz:

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